Der Verlag

Dr. Walter Koch

"Friedrich Wilhelm Raiffeisen könnte mein Grossvater sein"

Wenn einer so ehrfurchtsvoll von Friedrich Wilhelm Raiffeisen spricht, dann liegt die Vermutung nahe, es fliese Raiffeisen-Blut in seinen Adern. Bei Walter Koch ist diesbezüglich allerdings Fehlanzeige. Weder gehört Raiffeisen zu seinem Ahnenstamm, noch hat Walter Koch Vorfahren oder Familienangehörige, die mit der Raiffeisen-Organisation zu tun hatten oder gar haben. Wohl polierte er als Student an den Universitäten Augsburg und Würzburg während der Semesterferien auf der Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck und später auf der Raiffeisenbank Schwandorf mit Ferienarbeit sein Taschengeld auf. "Doch damals", so bekennt Koch heute freimütig "habe ich mit der Raiffeisen-Idee noch nicht auseinandergesetzt."
 

Zum Thema, das heute sein Leben dominiert, kam Dr. Koch wie die Jungfrau zum Kind. Eigentlich wollte er zum Abschluss seiner Studien in Soziologie, Germanistik und Geschichte ja eine Dissertation über Gottfried Benn (deutscher Schriftsteller) und Arnold Gehlen (deutscher Soziologe) schreiben. Doch dann hat ihn sein Doktorvater, Prof. Dr. Lothar Bossle, umgestimmt. Bossle legt Koch im Jahre 1980 31 Originalbriefe Friedrich Wilhelm Raiffeisens vor und fragte ihn, ob er nicht darüber schreiben wolle. "Kein Problem, machen wir" gab der erst etwas verdutzte Koch zur Antwort - kaum wissend, dass ihn der Name Raiffeisen bis heute nicht mehr loslassen sollte.

Elf Jahre später legte Walter Koch die Dissertation "Der Genossenschaftsgedanke F.W. Raiffeisens als Kooperationsmodell in der modernen Industriegesellschaft" vor und promovierte an der Universität Würzburg zum Doktor der Philosophie.
 

Dass über ein Jahrzehnt ins Land ging, ehe aus Walter Koch Dr. Walter Koch wurde, hat primär zwei Gründe. Zum einen begrub er wegen des Lehrerüberflusses seine ursprüngliche Absicht, Lehrer zu werden und lies sich - wohlverstanden parallel zu seiner Arbeit an der Dissertation - auf der Raiffeisenbank Schwandorf zum Bankkaufmann ausbilden. Zum andern vertiefte er sich weit mehr ins Thema "Raiffeisen", als er sich dies je vorgestellt hatte. Dies um so mehr, als es bis heute kein Gesamtwerk über den Bankpionier gab und die wenigen Biographien Versuche bleiben mussten, weil deren Autoren entweder Zeitgenossen oder emotional vorbelastet waren. Um sich ein genaueres Bild über "Raiffeisen" zu

(F.W. Raiffeisen 1818 - 1888)

machen, durchstöberte Walter Koch über fünf Jahre verschiedenste Archive und fertige über 10.000 Kopien an. Dazu kamen mehr als 100.000 weitere Kopien über das Genossenschaftswesen in verschiedenen Ländern. Diese hat Walter Koch ebenso zu Büchern gebunden wie die Archivunterlagen über Raiffeisen. So besitzt er heute eine veritable Raiffeisen-Bibliothek.

Die riesige Menge gesammelten Materials ist ein Grund, warum sich Koch auch nach Drucklegung seiner Dissertation weiter mit Raiffeisen beschäftigt. Grosses Ziel von Dr. Walter Koch ist eine Raiffeisen-Biographie, "doch 10 bis 15 Jahre wird es schon noch dauern, bis sie herauskommt".
 

 
Copyright Dr. Walter Koch, Fürstenfeldbruck, 2005